Malen

Beim Malen schafft sich die Klientin/der Klient die eigene Projektionsfläche und das Bild entspricht der aktuellen bewussten und unbewussten Gefühls- und Stimmungslage des Klienten/der Klientin. Malen hilft, 'abzuladen', 'setzen zu lassen' und 'auf eine äussere Fläche - das Bild - zu projizieren'. Ein Bild, dem man gegenüber sitzt, ist analysierbar, kann neu geordnet und weiter entwickelt werden. Man wird wieder zum Akteur Anstelle des Opfers, kann regulieren und selbst entscheiden.

Es braucht keinerlei Vorkenntnisse zum Malen, das ist eher hinderlich, denn Malen soll hier spontan, spielerisch und ohne Anspruch sein, damit das sich zeigen kann, was hinter dem Vorhang des Bewussten liegt wie: Aktuelle Konflikte ("warum passiert mir das immer wieder"), frühe Erfahrungen ("ich kann tun, was ich will, es ist doch immer falsch"), Überlebensschlussfolgerungen ("es ist wohl besser, dass ich mich anpasse statt wehre"), hinderliche frühe Entscheidungen (z.B. "wenn ich sehe, wie die Grossen sind, dann will ich nie gross werden") usw. Der Mensch trägt ohne sein Wissen eine 'Gerümpelkammer' mit sich: Unbewusste Empfindungen, Bilder und Erfahrungen aus früher vorsprachlicher Zeit beeinflussen immer wieder unsere Sicht- und dementsprechend die Handlungsweisen. Dies liegt in der Natur der menschlichen Persönlichkeitsentwicklung und ist gleichzeitig die Herausforderung im Leben. Zudem sind tragische Ereignisse und Traumata der Eltern auch Teil der Gefühlswelt ihrer Nachkommen. Das führt oftmals dazu, dass Menschen die Gefühle der Eltern leben (z.B. deren Existenzängste), als ob es ihre eigenen sind. Zu diesen Ebenen des Nicht-Bewussten findet man Zugang über die analytische Aufarbeitung eines spontanen oder themenbezogenen Bildes. Einen vergleichbar direkten Weg gibt es nur über die Träume.

Diese Technik der Bildaufarbeitung wird in therapeutischen Einzelcoachings angewendet, kann aber auch Teil einer Teamentwicklung sein.

 

Wie wirkt malen?

Malen oder Gestalten an sich wirkt bereits entlastend, gewissermassen, weil das 'Problem auf das Papier ausgelagert' ist. Möchte man jedoch aus der momentanen Entlastungssituation eine dauerhafte Entlastung herleiten, dann kann das Bild - dessen tiefenpsychologischer Inhalt - aufgearbeitet werden. Das bedeutet eine intensive Zusammenarbeit zwischen Malenden und Therapeut, denn nur der/die Malende hat Zugang zu den realen Inhalten des Bildes. Wird aber direkt gefragt, was gemalt wurde, ist das nicht der wirkliche Schlüssel zum Inhalt. Diese vordergründigen Aussagen sind nicht kongruent mit den wirklich dargestellten Inhalten. Abwehr spielt also eine kontrollierende und verändernde Rolle. Die Analysetechnik der Maltherapie erfordert eine gemeinsame Erarbeitung der Inhalte, wobei der Klientin/dem Klienten nach wie vor Möglichkeiten zur Zensur offen stehen. Die Analyse ermöglicht Einblick in tiefere Dimensionen und Bezüge zu aktuellen Problemen und Gefühlen. Die Mal- und Gestaltungstherapie eignet sich deshalb auch sehr gut für die Therapie von psychosomatischen Störungen und für alle Ereignisse, die man tiefer verstehen möchte.

Im Seminar gibt es die Möglichkeit, offen in der Gruppe oder in privaten Einzelarbeiten das persönliche Bild zu analysieren.

<< zurück zum Seminarbeschrieb