Psychodrama
Jeder Mensch vollzieht einen ständigen Balanceakt zwischen
Ansprüchen von aussen, privaten Wünschen und (manchmal nur
scheinbar) unabwendbaren Gegebenheiten. Wahrnehmungsfähigkeit,
Urteilsfähigkeit und Handlungskompetenz in sozialen Situationen und
Interaktionen sind daher notwendig, um solche entstehenden
Alltagskonflikte zum eigenen Wohlbefinden und zur allgemeinen
Zufriedenheit lösen zu können. Leider ist jegliche Wahrnehmung
subjektiv gefärbt, oft von 'alten Bildern' durchsetzt und dadurch
oft fehlgeleitet. Die Urteilsfähigkeit wird nur allzu häufig durch
emotionale Befindlichkeiten blockiert und das Handeln ist
keineswegs immer der jeweiligen Situation angepasst.
Im psychodramatischen Spiel wird individuelles Handeln und
subjektives Erleben absolut ernst genommen, respektiert und in den
Vordergrund der Gruppenarbeit gestellt. Alltagskonflikte und
problematische Beziehungen können mit Hilfe psychodramatischer
Techniken konkret dargestellt, in ihrer Dynamik erkannt und erlebt
werden. Durch die unmittelbare aktive Teilnahme aller Beteiligten
können Erfahrungen gemacht werden, die zu einer veränderten Sicht
von Situationen führen, AHA-Erlebnisse vermitteln und alternative
Perspektiven des Handelns eröffnen. Psychodramatisches Spiel ist
problembezogene Selbsterfahrung, die sowohl der Erweiterung
beruflicher Handlungskompetenz als auch dem persönlichen Wachstum
der Teilnehmerinnen dient.
Prof. Dr. Ingeborg Kriwet ist
Hochschullehrerin an den Universitäten Hannover, Hamburg und Zürich
im Bereich Behindertenpädagogik. Psychodramaleiterin und
Supervisorin.
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